8 Fragen zu den Technik-Fernstudiengängen

Neu im Angebot an der Hochschule Fresenius

  • Prof. Dr. Paul Nikodemus – Studiengangsleiter für Technik im Gespräch
  • Fit für die Industrie 4.0 mit dem Experten für technische Studiengänge
Jetzt informieren

Die Hochschule Fresenius bietet ab Oktober 2017 neue Fernstudiengänge (zu der Studiengangs-Übersicht) an. Wir haben uns mit dem Studiengangsentwickler Prof. Dr. Paul Nikodemus über den Ablauf des Fernstudiums, die Karrierechancen und die Digitalisierung in technischen Berufsfeldern unterhalten.


Herr Prof. Dr. Nikodemus, die Hochschule Fresenius bietet drei neue Bachelor-Studiengänge und einen Master-Studiengang mit technischem Hintergrund als Fernstudium an. Welchen dieser Studiengänge hätten Sie gerne selbst studiert?

Eindeutig den Bachelor Digital Engineering and Management. Ich habe im Erststudium vor langer Zeit Verfahrenstechnik studiert und die Ingenieurinformatik, wie man damals die Informatik noch nannte, war im Curriculum nur sehr gering vertreten. Man konnte außerdem noch keine virtuellen Labore besuchen und Rechnertechnologie war sehr teuer. Heute kann man mit Simulationen eine ganz andere Anschaulichkeit erreichen.

Welche Zulassungsvoraussetzungen muss ich als Interessent für die drei Bachelor-Fernstudiengänge bzw. den Master-Studiengang mitbringen?

Für die Bachelor-Studiengänge gelten die Zulassungsbedingungen, wie sie das Hessische Landeshochschulgesetz vorgibt. Neben der Hoch-/Fachhochschulreife und bestimmten Weiterbildungen (z.B. Meister/Techniker, Betriebswirt IHK) können aber auch beruflich Qualifizierte über eine Hochschulzugangsprüfung (HZP) ein Studium aufnehmen. Für den Master ist ein Erststudium (Bachelor/Diplom) der Ingenieur-/Naturwissenschaften bzw. der Informatik/Informationstechnik oder der Wirtschaftswissenschaften Voraussetzung. Der Master kann direkt nach dem Erststudium begonnen werden.

Welche Vorleistungen kann ich mir für die Bachelor-Studiengänge bzw. den Master-Studiengang anrechnen lassen?

Zunächst können bestimmte Grundlagenmodule der Betriebswirtschaft im Bachelor pauschal anerkannt werden, wenn eine kaufmännische Berufsausbildung vorliegt. Außerdem sind natürlich aus bestimmten Weiterbildungsmaßnahmen Anrechnungen möglich. Sehr interessant ist das zum Beispiel für Techniker und Betriebswirte, da sie damit das Studium relevant verkürzen können. Für den Master sind Anrechnungen dann möglich, wenn über bereits absolvierte Studiengänge gleichwertige Kompetenzen vorliegen. Man muss dabei allerdings beachten, dass aufgrund der Mindestanzahl von ECTS-Leistungspunkten im Master eine doppelte Anrechnung von Modulen nicht möglich ist. Dies gilt für Bachelor-Studiengänge, die Voraussetzung für den Master sind und mit 180 ECTS-Leistungspunkten abschließen. Für Bachelor und Master können außerdem auch außerhalb der Hochschule erworbene Kompetenzen nach individueller Prüfung anerkannt werden.

„Die Verbindung eines digitalen Studienmodells mit dem Kompetenzaufbau für das digitale Zeitalter und den damit verbundenen Herausforderungen gerade für Innovation, Technologie und Wertschöpfung ist ein zentraler Mehrwert der Technikprogramme von onlineplus.“

Wie werden denn die technischen Modul-Inhalte online abgebildet? Wie kann ich mir den Ablauf an einem konkreten Beispiel vorstellen?

Ich möchte das gerne an der Modulfolge zur Automatisierung erläutern. Hier wird bereits in den Grundlagenmodulen mit bestimmten Werkzeugen gearbeitet. Mathematische Funktionen oder auch Schaltkreise aus Elektro- und Digitaltechnik können über Animationen und Simulationen online bearbeitet werden. Die Studierenden erhalten so einen im Vergleich zum rezeptiven Studium von Text und Bild viel wertigeren Einblick in die Stoffgebiete und können selbst über Interaktionen Veränderungen vornehmen und Aufgabenstellungen/Lösungen variieren. In der dann folgenden Automatisierung wird das mit anspruchsvollen Simulationen von Automatisierungssystemen und ihrer Komponenten (Sensoren, Regler, Controller usw.) noch einmal intensiviert. Die Studierenden können über eine virtuelle Schnittstelle sogar selbst Steuerungen programmieren und so individualisierte Modelle simulieren. Im virtuellen Laborraum können diese Modelle dann zusätzlich mit einer realen Hardware getestet werden.

Wir spulen etwas vor: Das Studium habe ich wie erwartet reibungslos absolviert und ich habe meinen Abschluss, Bachelor oder Master of Engineering, in der Tasche. Für welche Berufe habe ich mich qualifiziert und wie sieht der Arbeitsmarkt im Hinblick auf meine Berufschancen aus?

Wir haben aktuell vor allem die Herausforderungen der digitalen Transformation vor uns. Hier sind sowohl die Prozesslandschaft als auch die Infrastrukturen tangiert. Unsere vier Studiengänge vermitteln auf einer grundsoliden Basis der klassischen Disziplinen die Kompetenzen, um die Veränderungen der Digitalisierung zu begleiten und zu gestalten. Dies erfolgt für die betriebswirtschaftlichen Funktionsbereiche (Technische Betriebswirtschaft), die Systeme und Infrastrukturen der Wertschöpfung (Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen) und für die Führung und das technische Management (Master Wirtschaftsingenieurwesen). Gerade das Studium zum Wirtschaftsingenieurwesen, dessen Absolventen und Absolventinnen seit Jahren mit die höchsten Einstiegsgehälter erhalten, vermittelt DIE Kompetenzen für die Industrie 4.0. Die Berufschancen können durchaus als überdurchschnittlich gut angesehen werden.

Reicht eigentlich ein Bachelor in der Branche und mit was für einem Einstiegsgehalt kann ich ungefähr rechnen?

In Unternehmen und internationalen Konzernen nehmen Wirtschaftsingenieure, aber auch Technische Betriebswirte wichtige Schnittstellenaufgaben zwischen Betriebswirtschaft und Ingenieurwesen wahr. Die Einstiegsgehälter liegen hier bei ca. 3.500 € (Bachelor) bzw. bei ca. 4.500 € (Master). Für unsere Absolventinnen und Absolventen kann dies natürlich auch durchaus höher ausfallen, da sie ja in der Regel eine Berufstätigkeit mit ihrem akademischen Abschluss verbinden können. Je nach Berufserfahrung kann das schon recht relevant sein. Nähere Informationen erhält man dazu aber auch über die Webseiten von Branchenverbänden oder auch der Wissenschaftskommunikation (z.B. www.academics.de).

Hinweis: https://www.academics.de/wissenschaft/wirtschaftsingenieur-gehalt_57855.html

Welche Berufe sind vermehrt von der Digitalisierung betroffen und welche Berufe sind besonders interessant für Absolventen der neuen technischen Studiengänge?

Es gibt ja kaum noch einen Bereich in Wirtschaft und Wissenschaft, der nicht von der Digitalisierung betroffen ist. Dementsprechend müssen gerade die akademischen Berufsfelder mehr und mehr die mit der Digitalisierung verbundenen Themen integrieren und somit auch in den Aus- und Weiterbildungen berücksichtigen. Es gibt natürlich für Wirtschaftsingenieure und Technische Betriebswirte klassische Tätigkeiten. Dazu gehören die Projekte, die in Unternehmen vor allem aufgrund der Wettbewerbssituation zu Veränderungen führen, was für die Digitalisierung fast idealtypisch gilt. Hier sind die Kompetenzen gefragt, die die Wettbewerbsdimensionen umfänglich im Blick haben, also vor allem auch technisch-innovative Aspekte mit den ökonomischen Rahmenbedingungen verknüpfen können. Damit sind das Projektmanagement, der Einkauf, der Vertrieb und das Prozess- und Produktmanagement primäre Einsatzfelder, zusätzlich natürlich auch die Querschnittsfunktionen, wie zum Beispiel das Qualitätsmanagement. Je nach Qualifikationsstufe kommen dann die Führungsaufgaben dazu, die bis zu den Leitungsfunktionen für Abteilungen, Niederlassungen oder auch Cost- und Profitcenter reichen können. Vor allem in den wertschöpfungsnahen Bereichen von Produktion, Fertigung und Logistik gibt es hier die interessanten Aufgaben für Wirtschaftsingenieure. Für die Absolventinnen und Absolventen mit Mastergrad kann natürlich auch eine Karriere in der Wissenschaft ihren Reiz haben. Mit dem Abschluss bei uns ist ja auch die Promotionsberechtigung verbunden.

Wem würden Sie die hier besprochenen Studiengänge auf keinen Fall empfehlen?

Grundsätzlich sollte man bei der Wahl des Studiums nicht ausschließlich die arbeitsmarktrelevanten Parameter und Erfolgsaussichten im Auge haben. Man sollte auch sich selbst prüfen, inwieweit die eigene Ausrichtung und eigene Einstellungen mit dem angestrebten Berufsbild verträglich sind. Gerade im berufsbegleitenden Fernstudium ist dies für die Motivation sehr wichtig. Wenn diese Motivation gegeben ist, dann ist auch eine Eignung fast sicher. Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft das Studienmodell. Wer neben dem Beruf studiert, muss für eine gewisse Zeit andere Verpflichtungen oder auch einen Teil der gewohnten Freizeitgestaltung zurückstellen. Wenn die Bereitschaft dazu nicht gegeben ist oder individuelle Rahmenbedingungen von Anfang an dagegenstehen, würde ich von einem technischen Fernstudium eher abraten.

Kurzbiografie

Prof. Dr. Paul Nikodemus ist seit Oktober 2016 an der Hochschule Fresenius im Fernstudienbereich als Studiengangsleiter für die Studiengänge der Technischen Betriebswirtschaft und für das Wirtschaftsingenieurwesen tätig. In dieser Funktion verantwortet er die akademische Leitung der Studiengänge.